Definition des Siloings
Das Siloing ist eine in den 2000er Jahren populär gewordene SEO-Architekturmethode für die redaktionelle Gestaltung. Sie besteht darin, eine Website in abgeschotteten thematischen Silos zu organisieren, das heißt in Gruppen von Seiten, die innerhalb desselben Silos untereinander verlinken, aber nicht auf die Seiten anderer Silos verlinken.
Das Ziel ist zweifach. Zunächst den PageRank innerhalb jedes Silos zu konzentrieren: Die Linkkraft zirkuliert zwischen den Seiten desselben Themas, ohne sich zu den anderen Themen der Website zu verdünnen. Anschließend Google ein starkes Thematisierungssignal zu senden: Die starre Struktur zeigt der Suchmaschine an, dass die Website diese Themen wirklich vertieft abdeckt, ohne Zerstreuung.
Die Prinzipien
Das Siloing beruht auf drei strukturierenden Regeln. Die erste: Innerhalb eines Silos verlinken die Seiten untereinander in einer hierarchischen Logik (Mutterseite zu Tochterseiten, Tochterseiten zur Mutterseite). Die zweite: kein direkter Link zwischen Seiten unterschiedlicher Silos, selbst wenn die semantische Relevanz es rechtfertigen könnte. Die dritte: Die Startseite und die institutionellen Seiten können auf die Silo-Köpfe verlinken, aber ohne die interne Isolation zu brechen.
Diese Starrheit ist das Markenzeichen des strikten Siloings. Sie stützt sich auf die Idee, dass Google die thematische Kohärenz einer Website anhand der Kohärenz ihres internen Linkgraphen interpretiert. Je kompartimentierter der Graph, desto klarer das Signal thematischer Spezialisierung, was sich besonders auszahlt, wenn parallel eine Netlinking-Kampagne mit thematischem Siloing die externen Links auf die Silo-Köpfe lenkt.
Wie baut man Silos
Der Aufbau beginnt mit der Identifikation der unterschiedlichen Hauptthemenfelder der Website. Auf einer Multi-Themen-Website werden diese Themenfelder zu den Silos. In einem E-Commerce sind das oft die Hauptproduktkategorien. In einem Medium die redaktionellen Rubriken.
Für jedes Silo definiert man dann eine Silo-Kopfseite, das Äquivalent der Pillar-Seite im Themen-Cluster. Diese Seite behandelt das Thema des Silos breit und erhält Links von allen anderen Seiten des Silos. Die sekundären Seiten des Silos hierarchisieren sich um diese Kopfseite.
Die URL-Architektur spiegelt idealerweise die Silos mit einer Struktur vom Typ /thematisches-silo/tochter-seite/ wider. Diese Praxis erleichtert das Lesen des Graphen durch die Crawler, ist aber nicht zwingend, wenn die interne Verlinkung der Silo-Logik folgt.
Grenzen der Methode
Das strikte Siloing wirft mehrere konkrete Probleme auf. Zunächst beeinträchtigt es die Nutzererfahrung. Wenn ein Leser auf einer Seite ankommt und ein angrenzendes Thema relevant zu erwähnen wäre, verbietet es das Siloing. Diese Starrheit widerspricht den modernen guten redaktionellen Praktiken.
Anschließend hat sich Google weiterentwickelt. Die modernen Algorithmen schätzen die reale semantische Kohärenz mehr als die formale Kohärenz des Linkgraphen. Eine Website, die ihre Themen wirklich vertieft abdeckt, kann Brücken zwischen Silos tolerieren, ohne an wahrgenommener thematischer Relevanz zu verlieren.
Schließlich wird das Siloing auf sich entwickelnden Websites unhandhabbar. Eine Querseite hinzuzufügen, ein Thema unter einem anderen Winkel neu zu behandeln, ein neues Silo zu schaffen: All das erfordert eine Überarbeitung einer als stabil gedachten starren Architektur.
Siloing versus Themen-Cluster
Das Themen-Cluster, die neuere von Laurent Bourrelly entwickelte Methode, ist eine natürliche Weiterentwicklung des Siloings. Es behält dessen zentrale Idee bei (den PageRank nach Thema zu konzentrieren), lockert aber die Regel der Abschottung. Innerhalb einer Schicht verlinken die Schwesterseiten untereinander, was eine dichtere und natürlichere Verlinkung schafft. Zwischen Clustern sind moderate Brücken erlaubt, wenn die semantische Relevanz es rechtfertigt.
In der Praxis ist das Cluster natürlicher zu bauen und robuster gegenüber den Entwicklungen von Google. Das strikte Siloing behält seine Anhänger, aber vor allem auf sehr großen Multi-Themen-Websites, wo die Isolation zwischen sehr unterschiedlichen Themen (zum Beispiel Finanzen und Kochen auf derselben Domain) relevant bleibt. Für die meisten modernen redaktionellen Websites hat das Themen-Cluster das Siloing ersetzt.